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Schmerzmediziner legen Maßnahmenkatalog vor

22.03.2017 13:19
Sofortige Maßnahmen zur Sicherstellung der schmerzmedizinischen Versorgung und ein Ende der in weiten Teilen Deutschlands existierenden Unterversorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen, forderten Schmerzmediziner und Patientenvertreter heute im Rahmen des „2. Nationalen Versorgungsforums Schmerz“.

Patienten mit chronischen Schmerzen benötigten eine intensive, spezialisierte und durch verschiedene Disziplinen aufeinander abgestimmte Behandlung. Doch diese würde einem Großteil der Schmerzpatienten vorenthalten, weil strukturelle Versorgungsdefizite jahrelang von der Politik, den Krankenkassen und den Standesvertretungen der Ärzteschaft ignoriert würden, so der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD), die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) und die Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL).

Die Verbände forderten auf einer Fachkonferenz in Berlin die Einrichtung eines Schutzraumes für die Schmerzmedizin. Dieser solle folgende Elemente beinhalten:
• die Einführung einer schmerzmedizinischen Bedarfsplanung,
• die Herauslösung des EBM-Kapitels 30.7.1 aus der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung und damit eine bundeseinheitliche Honorierung für die Teilnehmer an der Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie,
• den Ausbau der Schmerzkompetenz bei allen an der Behandlung beteiligten Fachgruppen,
• die flächendeckende Umsetzung von Therapiestandards,
• die flächendeckende palliativmedizinische Versorgung von Menschen in der Lebensendphase,
• die Förderung des schmerzmedizinischen Nachwuchses in Aus- und Fortbildung,
• ein Ende unsachlicher Prüfverfahren für Schmerztherapeuten, die Einführung eines neues EBM-Kapitels für schmerzpsychotherapeutische Leistungen
• und auf lange Sicht die Einführung eines Facharztes Schmerzmedizin.

Außerdem sollten abgestufte und qualitätsorientierte Versorgungskonzepte, die bereits in vielfältigen Projekten erfolgreich liefen, in die Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung überführt werden, so die BVSD, DGS und DSL. 3,4 Millionen Patienten mit schweren und hochproblematischen chronischen Schmerzen mit
psychischen Beeinträchtigungen leben in Deutschland, wie Analysen der Diagnosedaten von ca. 72 Millionen GKV-Versicherten des Bundesversicherungsamtes (BVA) für das Jahr 2014 zeigen. Für das Jahr 2013 berechnete das BVA noch 2,8 Millionen Patienten mit chronischen Schmerzen. Daraus ergibt sich eine Zunahme der chronischen Schmerzkrankheit um 21 Prozent innerhalb eines Jahres. Nur ein Bruchteil dieser Patienten kann heute von einem der 1.173 ambulant tätigen Schmerztherapeuten versorgt werden, die an der
Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie teilnehmen (Stand: 31.12.2015).

Die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen unterliegt besonderen Qualitätskriterien, wie z.B. der Fallzahlbegrenzung auf max. 300 Fälle je Arzt im Quartal. Demnach können in Deutschland von ambulant tätigen Schmerzärzten maximal etwa 350.000 Patienten mit chronischen Schmerzen im Quartal versorgt werden.

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