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Schmerz-Versorgung in Deutschland ist defizitär

18.12.2015 10:24
Experten erwarten für die nächsten Jahre eine Verschlechterung der momentan bereits unzureichenden schmerzmedizinischen Versorgung. Das ist das Ergebnis des in Berlin stattfindenden „Nationalen Versorgungsforum Schmerz“ zu dem die Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL), die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) und der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD) im November eingeladen hatte.
Schmerz-Versorgung in Deutschland ist defizitär

Dr. Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Prof. Dr. Joachim Nadstawek, PD Dr. Michael A. Überall (v. l.)

„Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz steigt die Anzahl vergeblich hilfesuchender Schmerzpatienten von Jahr zu Jahr, täglich ist die Deutsche Schmerzliga an ihrem Schmerztelefon mit verzweifelten, hilfesuchenden Patienten konfrontiert, deren Schmerzproblem auch nach mehreren Arzt- und Klinikbesuchen nicht gelöst werden konnte“, so PD Dr. Michael A. Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V. „So wie sie im Moment gestaltet ist, funktioniert die Schmerzversorgung in Deutschland einfach nicht. Ob ein Patient einen Arzt findet, der sich in der Schmerzmedizin engagiert, ist reiner Zufall“, betont der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), Dr. Gerhard Müller-Schwefe.

Der Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD), Prof. Dr. Joachim Nadstawek, erklärt: „Die ambulante schmerzmedizinische Versorgung in Deutschland ist bundesweit insgesamt katastrophal. Wir haben zu wenige niedergelassene Schmerzmediziner, die unter unsicheren und ökonomisch nicht tragfähigen Rahmenbedingungen arbeiten. Dringend benötigter Nachwuchs wird so eher abgeschreckt, als gefördert. Zukunftsweisende Reformkonzepte, die auf dem Tisch liegen, müssen endlich politisch umgesetzt werden.“

23 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Etwa 2,8 Millionen dieser schwerst betroffenen Patienten benötigen dringend eine spezielle schmerzmedizinische Behandlung. „Es gibt aber nur etwa 400 Kollegen, die Schmerzpatienten in Vollzeit versorgen: Nötig wären für eine flächendeckende Versorgung mindestens 10.000“, so Müller-Schwefe.

Politik sieht erheblichen Optimierungsbedarf

Auch quer durch die im Bundestag vertretenen Parteien wird die schmerzmedizinische Versorgung in Deutschland kritisch gesehen. So konstatiert Maria Klein-Schmeink, MdB und gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen, schwere Versorgungslücken und ein Versagen der Selbstverwaltung. Die SPD-Abgeordnete Heike Baehrens, MdB, fordert, das Fachgebiet Schmerzmedizin innerhalb der ärztlichen Strukturen zu stärken. Ganz ähnlich argumentiert Maria Michalk, MdB und gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU. Sie weist darauf hin, dass der Gesetzgeber im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes dem Gemeinsamen Bundesausschuss den Auftrag gegeben hat, die Bedarfsplanung für die ambulante medizinische Versorgung bis Ende 2016 zu überarbeiten.

Konzepte für eine bessere Schmerzversorgung

DSL, DGS und BVSD fordern vor allem eine ambulante, freiberufliche und wohnortnahe Versorgung durch schmerzmedizinisch qualifizierte Ärzte im Rahmen eines abgestuften Versorgungsmodells vom Hausarzt bis zum ausgewiesenen Schmerzmediziner: Maßnahmen wie die Berücksichtigung der Schmerzmedizin in der Bedarfsplanung, eine bessere schmerzmedizinische Ausbildung, die (flächendeckende) Umsetzung angemessener Vergütungsmodelle sowie die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin müssten dabei Hand in Hand gehen.

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