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"Sterbehilfe a la Montgomery" auf dem Deutschen Ärztetag

28.08.2015 20:51
Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, will verhindern, dass deutsche Ärzte ihre Patienten beim Freitod begleiten. Im Dezember gefragt, wer schwerstleidenden, sterbewilligen Menschen denn sonst helfen solle, lautete Montgomerys Antwort: "Lassen Sie das doch den Klempner machen!". Mit einer provokanten Kunstaktion hat die Giordano-Bruno-Stiftung die Delegierten des Deutschen Ärztetags an diesen drastischen Ausspruch ihres Präsidenten erinnert.

Eine überlebensgroße Skulptur mit dem Titel "Der Sterbe-Klempner" erwartete die Mediziner bei der feierlichen Eröffnung des Deutschen Ärztetags vor der Frankfurter Paulskirche. Sie zeigt Dr. Frank Ulrich Montgomery mit verschränkten Armen hinter dem Bett eines verblichenen Patienten. Ein "Pümpel" - oder wie es in der Sanitär-Fachsprache heißt: eine WC-Saugglocke - auf dem Gesicht des Toten verrät, dass er dem Rat des Ärztepräsidenten gefolgt ist und die Hilfe eines Klempners in Anspruch genommen hat.

"Wir haben lange überlegt, ob man das ernste Thema Sterbehilfe in dieser satirischen Form angehen sollte, uns aber letztlich dafür entschieden, weil man nur so die Ungeheuerlichkeit verdeutlichen kann, die sich hinter Montgomerys Aussage verbirgt", erklärte der Philosoph Michael Schmidt-Salomon, der als Vorstandsprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) für die Kunstaktion verantwortlich zeichnet. "Was Frank Ulrich Montgomery am 12. Dezember im Haus der Bundespressekonferenz sagte, zeugt nicht nur von mangelndem Mitgefühl und Respekt gegenüber den Patienten, sondern auch von fehlender Professionalität und Weitsicht. Denn wenn Ärzte, die dank ihrer Ausbildung den letzten Wunsch sterbewilliger Patienten am ehesten erfüllen können, diese Aufgabe nicht wahrnehmen dürfen, werden Menschen einspringen, die die erforderlichen Kenntnisse nicht besitzen. Was das bedeutet, zeigt 'Der Sterbe-Klempner' in plastischer Weise auf", so Schmidt-Salomon.

Doch auch in derr  Ärzteschaft regt sich Widerstand, wie "Spiegel Online" berichtet. "Montgomery schadet dem Ansehen des Arztberufs" sei ein Brief überschrieben, mit dem 180 deutsche Mediziner von der Bundesärztekammer ein Bekenntnis zur Sterbehilfe forderten. "Es ist nicht nur ethisch vertretbar, sondern hilfreich und human, einen schwerstleidenden Patienten nicht im Stich zu lassen", heißt es laut "Spiegel Online" in dem Schreiben. Wer sich "wohlinformiert" zum Suizid entschieden habe, verdiene Hilfe.

Mit seiner Aussage, dass Suizidbegleitung auch von "Klempnern" erledigt werden könne, mache Montgomey "das Anliegen der betroffenen Patienten lächerlich und schade dem Ansehen des Berufsstands", sagte Uwe-Christian Arnold, Mediziner aus Berlin und wohl Deutschlands bekanntester Sterbehelfer gilt, im Interview mit dem "Spiegel". Die Ärzteschaft müsse sich "endlich" einer Debatte über Sterbehilfe öffnen. Es sei an der Zeit, "dass sich die Bundesärztekammer von ihrem autokratischen Führungsstil der letzten Jahre verabschiedet". Dazu gehöre auch die Überarbeitung des derzeit geltenden Ärzterechts.

Foto: Giordano Bruno Stiftung/Evelin Frerk

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